Der Dachshund 1-2 2020
| 1/2 · 2020 7 Teckel & Jagd Jagdgebrauch konzentrieren sich in immer weniger Zuchtstätten. Dasselbe gilt für die primär auf Form und Typ gezüchteten Langhaarteckel – die im Kernbestand lediglich einer Linie mit Seitensträngen entstammen. Positiv an dieser Entwicklung ist der Umstand, dass Züchter von Langhaarte- ckeln Idealisten mit einem langen Atem sein müssen, „um bei der Stange zu blei- ben“. Wenn z. B. beide Ehepartner berufstätig sind und Kinder haben, beeinträchtigt die schleppende Nachfrage nach Welpen zu bestimmten Zeiten erheblich das Famili- enleben, sofern der Platz für mehrere Junghunde begrenzt und der Urlaub fest eingeplant ist. HOK: Sie haben sehr deutlich die Entwick- lung der Langhaarteckelzucht der vergan- genen vier Jahrzehnte beschrieben. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten dieser Rasse ein? Resp. – wird unsere Rasse den gesellschaftlichen Wandel „überleben“, wird es den Langhaarteckel mit seiner heute noch vielfältigen Ausrichtung auch im Jahre 2050 geben? KT: Ich bin weder ein Prophet des Heils noch einer des Untergangs. Als realisti- scher Optimist arbeite ich unverdrossen daran, jüngere Züchter des Langhaarte- ckels zu unterstützen – ihnen Mut für eine Zukunft mit begrenzter Zuchtbasis zu machen. Bezogen auf den DTK als Zucht- verein habe ich folgende Anregungen: Mit welchen Zuchtmethoden – bei wissen- schaftlicher Beratung – erhalten Archen für bedrohte Haustierrassen deren Eigen- schaften und deren Vitalität? Was können wir daraus für die Teckelzucht ableiten – im Hinblick auf kleiner werdende Populati- onen? Warum überprüft der DTK nicht mithilfe der Firma GENERATIO über die Marker auf den DNA-Profilen die Vielfalt bzw. Verengung des Genpools der jeweili- gen Rasse? Wäre es nicht möglich, zunächst in den Rassen mit geringen Ein- tragungszahlen (Kleinteckel Kurzhaar und Langhaar sowie Langhaar-Normalteckel), zu prüfen, wie hoch das tatsächliche Zuchtpotenzial jeweils ist? Konkret: Wie viele Teckel eines Jahrgangs gelangen nach zwei oder drei Jahren im Durch- schnitt in die Zucht – vor allem: Wie hoch ist die Anzahl der Rüden, mit denen jeweils gezüchtet worden ist? Welche Schlussfolgerungen können Züchter von Langhaarteckeln mit wenigen Hündinnen bereits heute ziehen? Wie können wir uns gegenseitig helfen – mit möglichst wenig Neid, Eifersucht und Streit, aber einem ehrlichen und im Auftreten bescheidenen Austausch? Mein Stichwort dazu: „Vernet- zung der Gleichgesinnten“! Kooperation und Absprachen bezüglich der Zuchtpla- nung. HOK: Was würden Sie rückblickend als Züchter anders machen? KT: Basis für ein langes Züchterleben in konsequenter Treue zu einer Rasse, einem Stamm und einer Linie sind die Erfahrun- gen von Höhen und Tiefen – ohne deshalb aufzugeben: Was könnte ich da anders machen? Ich betrieb Linienzucht, Inzucht, erkannte dadurch schnell die rezessiven uner- wünschten Merkmale, selektierte, kreuzte andere erwünschte Eigenschaften aus anderen Stämmen ein, setzte die erneute Rückkreuzung in meine Ursprungslinie fort, steigerte das Niveau meiner Linie – allerdings im Blick auf meinen eigenen Anspruch, nicht auf den anderer: Was soll ich daran ändern – solange ich noch fit und beweglich bin? Das Lernen aus den eigenen Fehlern und Irrtümern halte ich für zentral: Insofern bin ich immer noch – vor allem immer wieder neu – ein Anfänger. Züchter den- ken in Generationen – sie bauen sich eine Mutterlinie auf, sie selektieren konse- quent, ruhen sich auf ihren Lorbeeren nicht aus, wenn sie eine Erfolgsphase erle- ben – und sie gehen ihren eigenen persön- lichen Weg: Mögen die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter. Dazu gehört aus meiner Sicht: Zentral ist der kritische Blick auf die Schwächen meiner eigenen Hunde – die Fehler fremder Hunde zu sehen und zu kritisieren ist leicht: Das kann in der Regel jeder. HOK: Abschließend, welche Empfehlung möchten Sie unseren „Neuzüchtern“ mitgeben? KT: Fallen Sie nicht auf jeden neuen Stern am Deckrüdenhimmel herein – warten Sie erstmal ab, wie „gut“ seine Nachkommen aus blutsverschiedenen Hündinnen sind. Da kein Mensch „ideal“ ist – kann es auch keiner seiner Hunde sein. Setzen Sie vor der Zuchtplanung ihre Brille mit rosaroten Gläsern ab, durch die sie ihre Hündin (vielleicht) betrachtet haben. Schreiben Sie – nach kritischer Beurteilung der Vorzüge und Nachteile Ihrer Hündin – drei bis fünf zentrale Zuchtziele auf – in einer Reihenfolge: Was ist besonders wichtig, unerlässlich? Suchen Sie dann nach einem passenden Rüden – und besu- chen Sie rechtzeitig vor der Läufigkeit Ihrer Hündin den Besitzer. Ab sofort kann der Kalender über die Landesverbände und Gruppen bestellt werden. Einzelbestellungen werden in der Geschäftsstelle entgegengenommen. 2020 Teckel Dachshund Dackel DeutscherTeckelklub 1888 e.V. ·Tel.:02 03-3300 05 ·www.dtk1888.de Teckel- kalender 2020
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