Der Dachshund 1-2 2020
Teckel & Jagd 6 | 1/2 · 2020 KT: In aller Kürze: Auf die Wesensfestigkeit ihrer Teckel – völlig unabhängig von den individuellen Schwerpunkten „Schönheit“ und/oder „Gebrauch“. Lassen Sie mich doch noch etwas ins Detail gehen: Der Liebhaber und Halter eines Teckels als Begleiter und Familienmitglied wünscht einen im Verhalten sicheren Hund, der sich leicht und unkompliziert auf wech- selnde Umweltbedingungen und Umwelt- reize einstellt – ohne panische Angstreak- tionen und ohne angsterfüllte Beißatta- cken. Neben der Zuchtwahl mit Selektion auf Nervenfestigkeit sind dafür die Aufzucht- und Haltungsbedingungen des jeweiligen Züchters von entscheidender Bedeutung; in der Prägungsphase wechselnde Kon- takte und unterschiedliche Reize, keine Eintönigkeit, keine Isolation. Folglich benö- tigen wir vor Ort, an der Basis, wache auf- merksame Zuchtwarte als Helfer und Berater mit einem sicheren Blick für die jeweilige Situation des jeweiligen Züchters – und was daraus für seine Welpen resul- tiert. Ohne die effektive und zugleich im menschlichen Miteinander verbindliche, im Kern jedoch konsequente Wahrneh- mung dieser elementaren Verantwortung vor Ort bleibt unser gesamtes Regelwerk Makulatur. Bei einer Überarbeitung von Regeln soll- ten wir folglich nicht gravierende Verfeh- lungen einzelner Personen zumMaßstab für Verschärfungen nehmen, die in der Breitenwirkung alle Rechtschaffenen in die Haftung einbeziehen und von ihnen folglich als überzogen abgelehnt werden. Kurz: maßvoll bleiben, nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Der soziale Wandel – umschrieben mit dem Begriff „Überalterung der Gesell- schaft“ bei gleichzeitigem Rückgang der Bereitschaft in der Bevölkerung zum län- gerfristigen Engagement in Kirchen, Par- teien und Vereinen – hat folgende Wir- kung: Die wachsende Individualisierung, verbunden mit einer gesteigerten Anspruchshaltung an das jeweilige Gegen- über, weniger an die eigene Person, beein- trächtigt an der Basis vieler Vereine und damit auch der des DTK die Effektivität, weil ein immer kleinerer Kreis von Perso- nen vor Ort der Motor des Gruppenlebens ist. Im Umfeld von Ballungszentren mag dies weniger spürbar sein als in entlegene- ren Regionen. HOK: Wenn Sie nun als langjähriger Züch- ter einen kritischen Blick auf unser heutiges Gebrauchs-/Form- und Zuchtwesen werfen, an welchen Stellen sollten wir in der lang- fristigen Verantwortung zu unserer Rasse Teckel besser werden? was müsste sich aus Ihrer Sicht verändern? KT: In der Küche meiner Mutter hing für ihren Alltag folgender Gebetsspruch – Ursprung in der griechischen Philosophie, aufgegriffen von Schiller und formuliert von Niebuhr: „Gott, gib mir die Gelassen- heit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann – und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Diese Weisheit wünsche ich speziell Ihnen – als erst wenige Jahre amtierende BZW – sowie allen Mitgliedern der Delegierten- versammlung, die über Anträge zu Zucht- fragen und der Prüfungsordnung ent- scheiden. Ich fasse zusammen, was sich als Fazit konkret aus meinen bisherigen Antworten ergibt: Entwicklung einer Wesensprüfung mit gleichzeitiger Form- bewertung als Kern der Zuchtzulassung eines Teckels anstelle der Begleithunde- prüfung – BHP: Die „Ankörung“ nach Wesensmerkmalen ist zu orientieren an den Anforderungen eines verstädterten Liebhabers unserer Zeit, der einen geeig- neten Begleithund für sein Alltagsleben sucht; sie sollte von einem Zuchtrichter sowie einem weiteren Richter vorgenom- men werden (also: kein personeller Mehr- aufwand durch die Verkoppelung der Formbewertung mit einem Ersatz der jet- zigen BHP). Dazu ist ein Blick auf die Test- verfahren anderer Rassezuchtverbände lehrreich: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Die Themen „Gesundheit“ und deren Erhaltung sind von zentraler Bedeutung. Hier bin ich, wie Sie wissen, in erster Linie für ein „gesundes Herz“, das die sprich- wörtliche Langlebigkeit unserer Rassen am besten erhält. JEDES neue Prüfverfahren – das unmittel- bar die Zucht betrifft – sollte nach einer Diskussionsphase von mindestens zwei Jahren eingeführt werden – ABER: von vornherein zunächst für einen begrenzten Zeitraum. Generell wäre es in meinen Augen „weise“, zentrale Bestimmungen für die Zucht, die unsere bisherigen akzeptierten Richtlinien ergänzen, vertiefen, verengen oder ver- schärfen, von vornherein mit einem „Ver- fallsdatum“ auszustatten, um sie neu dis- kutieren zu müssen, wenn das GUT GEMEINTE unliebsame und unbeabsich- tigte (Neben-)Wirkungen in der Praxis hat, die zuvor nicht bedacht werden konnten oder nicht absehbar waren. Dasselbe gilt für Testverfahren, die ihre beabsichtigte Wirkung verfehlen oder sich als überflüs- sig erweisen. Das sogenannte Warte- oder Vorstamm- buch sollte konsequent gemäß den VDH- Richtlinien genutzt werden – ohne spezi- elle DTK-Engführungen. Nicht viele Neu- züchter werden nach Eintragung ihres Hundes die Weiterzucht bis zur vierten Generation „durchhalten“. Der DTK war in seiner Hochphase unter Führung der Juris- ten Dr. Bandel und Dr. Muno ein Verein mit „offenen Armen“ sowie flexibel in der Handhabung seines Regelwerkes – was konsequentes Handeln im Einzelfall weder damals noch heute ausschließt. Auch hier ist die Ausgestaltung nach Zielsetzung und möglichen Nebenwirkungen zu disku- tieren – etwa im Hinblick auf die Gewin- nung engagierter Mitglieder mit der Ambition, nach den Regeln unseres Ver- eins zu züchten. Die ursprünglichen – jagdlichen – Eigenschaften unserer Teckel sind zur Erhaltung und Verbreiterung der geschrumpften Zuchtbasis intensiv zu för- dern: Dies gilt vor allem für die Teilnahme- berechtigung von Nichtjägern mit nicht- jagdlich geführten Hunden an Anlageprü- fungen wie Sp und BhFK95. Hier hat der DTK sich in Gegenwart und Zukunft als „mutig“ und „streitbar“ zu zeigen, denn hier geht es um zentrale Fragen der Subs- tanz unserer Rassen. HOK: Gerne möchte ich nochmals den Aspekt der Langhaarteckelbesitzer aufgrei- fen – was denken Sie, hat sich im zeitlichen Verlauf verändert? KT: Der Langhaarteckel ist aus der Mode gekommen. Immer weniger Jäger erleben ihn als Jagdhund. In der Regel sind die meisten Interessenten Personen im gereif- ten Alter oder Senioren, die dieser Rasse von Kindheitstagen an treu geblieben sind. Daraus resultieren eine schleichende Verengung der Zuchtbasis und ein zwangsläufig wachsender Ahnenverlust. Viele Nachkriegszuchtlinien auf gezielten Kurt Töttler
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==