Der Dachshund 1-2 2020
| 1/2 · 2020 5 Teckel & Jagd Heidrun Odenweller-Klügl ( HOK): Welches Erlebnis als Züchter ist Ihnen nachhaltig positiv in Erinnerung geblieben? Klaus Töttler (KT): Ich würde sagen „prä- gend“: Das waren für mich während mei- ner Schulzeit Erlebnisse mit zwei Teckeln, Daisy (Jg. 1963) und Gauner (Jg. 1966). HOK: Warum prägend? KT: Weil das Wesen, vor allem die Intelli- genz und Leichtführigkeit dieser beiden Hunde, die ich erstmals allein ausgebildet und geführt habe, bis heute meine Zucht- wahl bestimmen. Daisy war unkompli- ziert, anhänglich, lernte leicht und schnell das völlig sichere Apportieren, meisterte problemlos den Übergang vom Spiel zum „Zwangs“-Apport, also zum Bringen belie- biger Gegenstände, die für sie tragbar waren. Neben dem Einsatz als Jagdhund wurde sie unser erster „Zirkus“-Dackel, mit dem Vater und Sohn einträchtig gängige Vorur- teile gegen Teckel infrage stellten, die bis heute existieren – trotz Begleithundeprü- fung (BHP). Und schließlich war Daisy der kleine Star eines Führerlehrgangs mit abschließender Gebrauchsprüfung für etwa 50 Jagdhunde aller Rassen, aufge- teilt in Untergruppen mit jeweils einem Leiter – im Raum Bellheim in der Pfalz unter dem Oberkommando von Dr. Carl Tabel, der damals ein unangefochtener Papst des Lehramtes „Ausbildung und Führung von Jagdhunden“ war, eine ein- prägsame Herrenfigur mit sonorer Stimme. Daisy schloss die Prüfung – einschließlich Apportieren – als Zweitbeste hinter einem „hohen“ Hund ab. Mein Vater erhielt bei der Abschlussfeier von Dr. Tabel das Kom- mando, für mich einen Vorstehhund anzu- schaffen. Die Lobesworte Dr. Tabels über mich höre ich noch heute! Aber ich wollte keinen Vorstehhund – sondern eine zweite, Daisy. Folglich sah sich mein Vater gezwungen, Daisy per Luftfracht nach Berlin (West) zu senden, weil ich mich auf den damals auf Jagdprüfungen erfolg- reichsten Langhaarteckel als Deckrüden versteift hatte – und mich davon nicht abbringen ließ: Da es imWurf keine zweite Daisy, sondern nur Rüden gab, musste sich mein Vater mit einem „Gau- ner“ abfinden, denn er wollte nur Hündin- nen. Durch Gauner als Deckrüden lernte ich viele Züchter von Langhaarteckeln ken- nen – die damals noch zahlreich im DTK waren. UND: Gauner ähnelte imWesen und in seinen Anlagen Daisy sehr, lernte leicht dasselbe wie sie, war zudem noch etwas schärfer im Bau. Daraus ergab sich für meine Ziele als Züchter eine klare Prio- rität bis in die Gegenwart: Ich freue mich über jeden schönen Hund, den ich auf einer Ausstellung vorführen kann, weil mir das – gelegentlich und dosiert – Spaß macht. Aber formliche Spitzenhunde, deren Charakterzüge mir missfallen, wer- den bei mir nicht alt. HOK: Lassen Sie uns doch noch mal in Ihrer Jugendzeit verweilen – 58 Jahre ist ein lan- ges Zeitfenster. Welche Veränderungen hat die Rasse aus Ihrer Sicht im zeitlichen Ver- lauf genommen? KT: Zunächst einmal ist die Zahl der Lang- haarteckel massiv geschrumpft – denn nicht nur Gletscher sind vomWandel des allgemeinen Klimas betroffen. 1972: 11.995 Langhaarteckel aller drei Schläge auf dem Höhepunkt als Moderasse. 2018 (einschließlich Kanichenteckel/Zwerge) noch 710. HOK: Eine signifikante gar dramatische Entwicklung – wo steht die Rasse heute? Und worauf sollten die heutigen Züchter ein besonderes Augenmerk werfen? L iebe Teckelfreunde, unsere kleine Interviewserie „Teckelzucht – Gestern, Heute und Morgen“ wird in dieser „Der Dachshund“-Ausgabe durch den Beitrag von Herrn Kurt Töttler zur Langhaarteckelzucht abgerundet. Nur wenige Langhaarteckelzüchter der Gegenwart verfügen über ein so fundiertes historisches Verständnis zum Zuchtgeschehen dieser Varietät wie Herr Töttler. Die nachfolgenden Zeilen bieten Ihnen im Zeitraffer einen Parforceritt durch die Lang- haarteckelzucht der vergangenen Jahrzehnte, führen uns hin zur nüchternen Gegenwart und das gepaart mit kritischen Gedan- ken zum Zuchtgeschehen insgesamt. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen. Heidrun Odenweller-Klügl, Bundeszuchtwartin Steckbrief Kurt Töttler, geboren 1948 in Halle/Saale, Vater Landwirt aus einer 1945 enteigne- ten Familie mit Interessenschwerpunkt Tierzucht (z. B. Pferde). Aufgewachsen nach der Flucht der Eltern aus der DDR seit Januar 1953 in Süd- und Südwestdeutschland auf landwirtschaft lichen Betrieben mit intensiver Tierzucht und Tierhaltung. 1992 Rückkehr in die Heimat der Familie in Mitteldeutschland. Zucht von zunächst roten – später auch schwarz-roten – Langhaarteckeln ab 1961 mit dem Vater selbstständig (ohne ihn ab 1971). Ämter im DTK (Gruppenebene und LV): • Im LV Rheinland-Pfalz bis 1983 • Danach 25 Jahre lang Konzentration auf Familie, Beruf und einer auf das Private begrenzten Fortsetzung der Teckelzucht. • Neues Engagement in der Gruppe Halle und im LV Sachsen-Anhalt seit 2008. Serie: Der Kurzhaarteckel / Der Rauhhaarteckel / Der Langhaarteckel – Gestern, Heute und Morgen Interview mit KURT TÖTTLER TE I L 2
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